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Interview mit
Franz Xaver Bogner
(Januar
2026)
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Bild: BR/Günther Reisp |
Bayerische Kultserien:
Herr
Bogner, welche Herausforderung gab es bei der Fortsetzung von „Himmel, Herrgott,
Sakrament“?
Franz X.
Bogner:
Die
Herausforderung war die Frage, wie man weitermacht, nachdem die erste Staffel
eigentlich mit einem Happy End zu Ende ging. Der Spannungsbogen war ja doch ein
bisschen darauf aufgebaut, ob Pfarrer Hans Reiser und Lisa zusammenkommen oder
nicht. Da es ja so passiert ist, muss man von dieser Seite aus neu starten.
B K:
Was
reizt Sie an dem Thema „Kirche“?

Bild: BR/ORF/maze pictures GmbH/Barbara Bauriedl
F X B:
(überlegt)
Wenn man von Figuren redet, reizen mich in erster Linie Leute, die gegen den
Strom schwimmen. Das ist im Grunde genommen etwas, was auch den Pfarrer Rainer
Maria Schießler, von dem die Buchvorlage stammt, auszeichnet. Das war der erste
Punkt, der mich interessiert hat. In dem Zusammenhang dann natürlich auch die
Tatsache, wie er mit dem Zölibat umgeht und das er sich durchaus die Verbindung
mit einer Frau leistet. Das war deutlich gegen den Strom.
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B K:
Apropos "gegen den Strom". Hier beim BR-Filmbrunch haben wir heute so viele
Fernsehkommissare wie fast noch nie gesehen. Bei Ihnen stand das Thema
„Krimi“ eigentlich nie so im Fokus, auch wenn es mit „München 7“ eine
Polizisten-Serie von Ihnen gab.
F X
B:
Das Thema
bei „München 7“, das mich gereizt hat, war in einem Satz zusammengefasst
einfach die Tatsache, dass es zwei Polizisten sind, die keine Protokolle
schreiben wollen und Konflikte egal welcher Art, sofort auf der Straße
erledigen. Im weitesten Sinne ein menschlicher Ansatz. (überlegt)
Sagen wir mal so: man soll ja nie „Nie“ sagen. Aber was mich reizen würde,
wäre eine Art Thriller, der nicht zwingend von Thema ausgeht „Wer hat was
gemacht?“ oder „Wer hat wen warum und wie umgebracht?“. |

Bild: BR/Günther Reisp |
B K:
Das
typische Krimi-Genre wäre also eher nichts für Ihre Art der Erzählung gewesen.
F X B:
Wenn man die Bedeutung auf das Wort „Krimi“ legt, dann eher nicht. (lacht)
Außer man hat eine bestimmte Form, wo das Interesse nicht zwingend bei der
Aufdeckung eines Mordfalls liegt. Das wird im Fernsehen schon auf breiter Ebene
in zig Serien, von Leipzig bis Berchtesgaden abgehandelt. (grinst)
B K:
Ihre
erste Serie „Familie Meier“ kam vor 46 Jahren ins Fernsehen. Wie sehr hat sich
die Fernsehwelt seitdem verändert?
F X B:
Es
ist alles schneller und vielfältiger geworden. Es ist schwieriger geworden mit
einer Produktion aufzufallen. Das Format „Serie“ hat sich auch etwas…(überlegt)
wie soll ich sagen…“entpersonalisiert“. Sachen, wie sie vom Kollegen Helmut
Dietl gemacht wurden, die einen persönlichen Touch und eindeutig lokalen Bezug
hatten, treten mehr in den Hintergrund. Auch wie ich selbst an Dingen gearbeitet
habe und auch noch weiter so arbeiten möchte. Das eine Person vom Buch bis zur
Regie alles macht, ist sehr selten geworden bzw. gibt es das eigentlich nicht
mehr. In dem Sinne bin ich ein Fossil. (lacht)
B K:
Das
heißt Sie sind da noch etwas freier?
F X B:
Ja,
ich kann mir immer noch den Luxus erlauben und leisten, beziehungsweise finde
auch die Partner dafür, dass ich meine Serien sehr persönlich aufziehen und
ihnen diesen Touch geben kann. Das ist mir auch sehr wichtig. Anders würde ich
es nicht machen wollen.

B K:
Sie
haben im Laufe Ihres Schaffens schon mit so vielen Größen zusammengearbeitet.
Wenn ich an „Familie Meier“ denke mit Karl Obermayr, bei „Irgendwie und Sowieso“
mit Elmar Wepper, „Cafe Meineid“ mit Erich Hallhuber und auch Gustl Bayrhammer
war dabei. Gibt es für Sie einen Schauspieler, der besonders herausgestochen
hat?
F X B:
(überlegt)
Ich kann es mir nicht erlauben, jemanden aus der ganzen Riege, die für mich
immer das Beste und Persönlichste gegeben haben, hervorzuheben. Und wenn ich
darüber nachdenke, geht es auch gar nicht darum. Es gab
Schauspielpersönlichkeiten, angefangen mit der Ruth Drexel, Toni Berger oder
auch dem Erich Hallhuber, für die ich sehr lange und intensiv geschrieben habe.
Da ging die persönliche Verbindung natürlich weit über das Engagement einer
Person, die für zehn Tage kommt und etwas spielt, hinaus.
B K:
Werden
Sie da manchmal auch nachdenklich, dass so viele Darsteller davon gar nicht mehr
unter uns weilen?
F X B:
Wenn man beispielweise an „Cafe Meineid“ denkt, dann war das in den elf Jahren
der Produktion mit 147 Folgen schon mittlerweile eine ganz schöne Ahnengalerie.
Ich denke aber nie rückwärts, sondern nur nach vorne.

Fotos: BR / Foto Sessner
B K:
Auch
nicht, was Ihre eigenen Produktionen angeht?
F X B:
Auch dann nicht, nein.
B K:
Gibt es
etwas, das Sie gerne noch erzählen würden?
F X B:
Ja,
eine ganze Menge. (lacht) Ich kann hier nicht genau sagen was, aber so
lange sich die Gesellschaft so benimmt, wie sie es momentan und schon seit
langem tut, habe ich keinen Mangel an Stoffen. (grinst)
B K:
Das
klingt gut! Vielen Dank für das Gespräch.
F X B:
Sehr gerne. |