Interview mit

Rudi Dolezal

(März 2026)

Kaum jemand kannte Falco so gut wie sein langjähriger Wegbegleiter und Freund, der Filmemacher Rudi Dolezal.
Er ist international vielfach ausgezeichneter Starfilmer, drehte Videos mit Queen und Sänger Freddie Mercury und filmte mit Stars wie den Rolling Stones, Whitney Houston oder Bruce Springsteen. Eine besondere Freundschaft verband ihn mit Falco, für den er alle Videos drehte, auch den Clip zum Welthit "Rock Me Amadeus". Zum Jubiläum des einzigen deutschsprachigen Songs, der je in den USA auf Platz 1 der Hitparade stand, erinnert sich Dolezal in bislang unbekannten Anekdoten an den Superstar und Freund. Er gibt intime Einblicke in das Leben hinter der Künstlerfigur Falco, erzählt von bisher unveröffentlichten Falco-Songs, warum das Video zum Welthit fast nicht zustande gekommen wäre und erklärt, nach seiner Recherche vor Ort in der Dominikanischen Republik, warum der Tod des Weltstars vermeidbar war.

Seine Dokumentationen über Freddie Mercury oder Miles Davis wurden bei den GRAMMYs (dem »Oscar der Popmusik«) ausgezeichnet, ebenso sein Video zu »Rock Me Amadeus«. Zudem wurden ihm drei Goldene ROMYs und sechs ECHOs verliehen.

 

Bayerische Kultserien: Rudi, meine erste Frage: Wie würdest Du „Kult“ definieren?

Rudi Dolezal: „Kult“? (überlegt) Der von mir sehr geschätzte Musiker Tom Waits hat mal gesagt: „Kult bedeutet, dass man nichts verkauft.“ (lacht) Das man also großartige Dinge macht, die sich aber nicht verkaufen. Ich glaube das „Kult“ etwas ganz Besonderes ist, das in meinen Augen durchaus sein Publikum findet. Als ich 1979 mit Tom Waits gedreht habe, gab es in Wien via Import, gerade mal drei LPs von ihm. Der große Vorteil der letzten 20 Jahre ist ja, das selbst wenn dann nur so eine „Minderheit“ auf Tom Waits steht, es weltweit doch 30.000 bis zu einer Million sein können. Deswegen ist „Kult“ nicht mehr unverkäuflich, sondern spricht spezielle Publikumsschichten an. Für mich ist Falco Kult, aber z.B. auch Die Toten Hosen, Nina Hagen oder Fanta 4.

B K: Ich würde gerne eine Frage, die Du auch im Vorwort zu Deinem neuen Buch „Falco – Die ganze Wahrheit“ stellst aufgreifen. Warum noch ein Falco-Buch?

R D: Ich habe kurz nach seinem Tod ein Buch geschrieben, dass ein Drehbuch für einen Kinofilm gewesen wäre, den es so aber leider nie gegeben hat. Das hieß „Falco - Hoch wie nie“. Das neue Buch erscheint nun anlässlich zum 40. Jubiläum des Songs „Rock Me Amadeus“ am 28.03., ein Tag den ich nie vergessen werde. Im Buch nenn ich ihn „Der Tag, der mein Leben veränderte“, weil ein Nummer 1 Hit in Amerika von einem Österreicher, mit dem dazugehörigen Video in der sogenannten „heavy Rotation“ auf MTV auch von einem Österreicher, wohl nicht mehr so schnell erreicht werden wird. Durch meine Freundschaft mit dem Hans (Hans Hölzel, Falco), sind so viele Dinge unerzählt, dass ich mir gedacht habe, bevor ich die Lust verliere darüber zu reden, bin ich das meinem Freund schuldig. Das Buch hat den Titel „Die ganze Wahrheit“, nicht weil ich nur Skandale aufzeigen will, sondern weil ich auch einen anderen Falco beschreibe, der weg wollte von den Drogen, weg vom Alkohol und der versucht hat ein anständiger, ordentlicher Mensch zu sein. Was er auch war, wenn er nüchtern war. Ein aufgeschlossener, interessanter Zeitgenosse, mit dem man es lustig haben konnte. Wenn er allerdings betrunken oder auf Drogen war, war er ein Arschloch. Das habe ich ihm auch sehr oft gesagt, aber das nutzte halt nix. Alkoholismus und Tabletten-Abhängigkeit ist nunmal eine Krankheit. Außerdem haben in den letzten Wochen und Monaten so viele Leute Blödsinn über den Falco erzählt, die ihn nie getroffen haben. Ich denk, dass ich mit meiner engen Zusammenarbeit und Freundschaft doch ein authentischerer Zeitzeuge bin als z.B. manch ein Musical-Darsteller. Daher schreibe ich die wichtigsten Dinge, die mir zu ihm einfallen sehr persönlich. Deswegen handelt es sich um keine Biografie, sondern um Erlebnisse aus erster Hand. Und auch wenn es „die ganze Wahrheit“ heißt, gibt es gewisse Dinge, die niemanden etwas angehen. Trotzdem ist auch diese Wahrheit manchmal ganz schon heftig.

 

© Rudi Dolezal

 

B K: Gerade im Bereich „Kult“ oder Personen, die „Kult“ geworden sind, gibt es im Nachgang ja viele Leute, die meinen alles zu kennen und eine Meinung zu haben.

R D: Ich kann z.B. über Frank Sinatra, den ich nie getroffen habe, auch nur sagen, was seine Musik für mich bedeutet. Aber ich könnte mir nicht anmaßen zu sagen, warum Frank Sinatra Alkohol getrunken hat oder diverse Frauengeschichten hatte. Das wäre lächerlich. Gerade in Österreich, aber auch in Deutschland, glauben viele, dass sie Falco-Spezialisten sind. Jeder hat ihn gekannt und jeder war sein bester Freund. In Wahrheit hatte er drei beste Freunde. Einer war Billy Filanowski (langjähriger Freund und Weggefährte), einer ein Herr, den ich nicht nennen darf und einer ich.

B K: Die EAV dichtete mal zu Falco: „In Österreich muss man sterben, dann ist man wieder wer“.

R D: Das ist übrigens nicht von meinen Freunden der EAV, sondern im Ursprung mit dem Satz „In Wien mußt' erst sterben, damit sie dich hochleben lassen. Aber dann lebst' lang.“, vom berühmten Kabarettisten Helmut Qualtinger. Das ist aber richtig. Ein Kapitel im Buch heißt auch „Musste er sterben, um zu leben“. Darin ist ein Zitat von Regisseur und Schauspieler Paulus Manker, der meinte: „Jetzt kommt der gefährliche Satz: Der Mann starb zum richtigen Zeitpunkt“. Was er damit meint? Falco wurde nicht alt. Du kennst keine Fotos von Falco mit Bierbauch oder mit Glatze, grauen Haaren und zu viel Falten im Gesicht. Falco war wie James Dean, der auch ganz früh bei einem Autounfall gestorben ist. Es gibt keine Fotos von einem alten James Dean oder einem alten Falco. Keine ECHTEN Fotos, wenn wir jetzt mal die Möglichkeiten mit KI außen vorlassen. Zusammen mit der Musik, die heute noch genauso zeitlos ist, wie damals und bei der man erst jetzt merkt, wie sehr Falco seiner Zeit voraus war. Ein Album wie „Junge Römer“ galt als Flop, weil kein Hit darauf war, wie z.B. „Der Kommissar“. Heute sagen acht von zehn Musikspezialisten, dass es ein wahnsinnig großartiges Album ist.

B K: Nochmal provokant gefragt: Hätte Falco heute so einen Legendenstatus, wenn er noch am Leben wäre?

R D: Das ist eine schwierige Frage, weil ich als Freund mir natürlich wünsche, dass er noch leben würde. (überlegt) Ich glaube aber, dass der Kultfaktor und die Legende und da zitiere ich jetzt gerne auch nochmal Paul Manker, „mit diesem großen Tod eines Autounfalls“ zu tun hat. Er ist nicht im Supermarkt ausgerutscht und hat sich das Genick gebrochen oder so. Auf diese Art und Weise war es ein größerer Tod, ein „Heldentod“ quasi, weil die Helden der heutigen Zeit die Popkünstler sind. So gesehen spielt das ineinander.

B K: Ein Anlass für das Buch ist das 40jährige Jubiläum von „Rock Me Amadeus“, der als erster und bislang einziger deutschsprachiger Song, sowohl in den US-amerikanischen Billboard Hot 100 als auch in den britischen Singlecharts die Chartspitze erreichen konnte. Kann man denn bemessen, welchen Anteil das von Dir gedrehte Video daran hatte?

R D: Bei „Rock Me Amadeus” bin ich absichtlich immer bescheiden. Viele Leute sagen, das Video hätte den Hit gemacht. Tatsächlich war es schon einer meiner Geniestreiche, immerhin haben sich bisher über 100 Millionen Menschen das Video online angeschaut. 1986 war es das meistgespielte Video in der ganzen Welt. Als mir Hans damals die erste Rohversion von „Amadeus“ vorgespielt hat, habe ich gesagt „das ist ein Welthit!“. Und ich habe nicht wirklich viele Hits in einem Leben vorhersagen können. Meistens lag ich falsch. Bei „Emotional“ von Falco habe ich auch gesagt „Geil, das wird ein Hit!“. Wurde er leider nicht. Ich lag bei drei Songs von ihm richtig und das waren „Rock Me Amadeus“, „Jeanny“ und „Out oft he Dark“. Ich glaube die Hitqualität des Songs wurde durch mein Video nicht unerheblich verstärkt. Vor allem in Amerika und England, wo er „nur“ das Lied „Rock Me Amadeus“ hatte und sozusagen ein One-Hit-Wonder war. Dort erinnern sich die Leute eben speziell an das Video. Produzenten aus den USA haben dann gesagt: „Wie habt ihr das aufgenommen? Mit diesen Kulissen muss das ja wahnsinnig teuer gewesen sein!“. (lacht) Ich musste dann schmunzeln, weil wir zum Drehort, dem Palais Schwarzenberg, mit der U-Bahn hinfahren konnten. Die Amerikaner konnten sich halt nicht vorstellen, dass solche Bauten in Wien noch stehen, weil sie mit Historie und Geschichte nicht viel am Hut hatten.

© Rudi Dolezal

B K: Heutzutage haben Musikvideos nicht mehr diese Relevanz wie früher. Könnte man sagen, Du warst zur richtigen Zeit am richtigen Ort?

R D: Das könnte man so sehen. „Rock Me Amadeus“ war allerdings nicht mein erstes Video. Da gab es natürlich schon Zusammenarbeiten mit Wolfgang Ambros und ein paar andere österreichische Künstler, sowie auch mit der deutschen Band Extrabreit. Und 1982 mit den Rolling Stones bei „Time Is On My Side”. Der Schlüsselmoment war glaube ich 1978, als ich einen Herrn namens Frank Zappa getroffen habe, der sozusagen mein Mentor war, weil er mir gesagt hatte: „Du musst die Künstler verstehen und etwas mit ihnen drehen, was anders und ausgeflippter ist.“ Bis zu diesem Zeitpunkt war ich ein braver Fernsehredakteur, der Interviews gedreht hatte. (überlegt) Ich war glaube ich schon zur richtigen Zeit am richtigen Ort, aber wie ich es auch schon in meinem Buch „My Friend Freddie“ auf die Frage „Was ist das Erfolgsgeheimnis?“ geschrieben habe, kann ich hier nur antworten: Dran bleiben! Sich selber nicht so wichtig nehmen und den richtigen Riecher haben. Natürlich musst Du auch kreativ sein und etwas können. Weder das „Rock Me Amadeus“-Video noch „I’m Going Slightly Mad” mit Queen oder “Hungry Heart” mit Bruce Springsteen haben sich von alleine produziert. Auch wenn Eigenlob stinkt, war dazu doch etwas Gehirnschmalz nötig. (lacht) In den späten 80er und 90er Jahren war meine Firma ein enormes Kreativ-Zentrum. Einer meiner früheren Regie-Assistenten Stefan Ruzowitzky hat vor einigen Jahren mit seinem Film „Die Fälscher“ einen Oscar für den besten ausländischen Film gewonnen. Da habe ich schon gute Leute in die Firma geholt, weil ich ja sowieso nicht alles selber machen konnte. Wir haben im Jahr 250 Musikvideos gedreht. Das kann nicht alles der Dolezal machen.

B K: Im Buch kommt auch zum Vorschein, wie schwierig in vielen Situationen auch die Zusammenarbeit mit Falco war. Was braucht es neben dem Verständnis für die Künstler noch, um mit solchen Persönlichkeiten klarzukommen?

R D: Schau, ich habe immer gesagt ich bin ein Musiker und mein Instrument ist die Kamera und der Schnittrhythmus. Was Wenige wissen, ich habe einen musikalischen Background. Als junger Mensch habe ich am Konservatorium klassische Gitarre gelernt, konnte die alten Meister spielen und habe kleine Konzerte gegeben. Und mein Vater war Chorsänger. Und das hat mir geholfen jedes Video gut zu schneiden. Auch jede Doku. Roger Tylor von Queen war mal sehr fasziniert von der Art wie gut ich sein Spiel eingefangen hab. Da hatte ich ein gutes Gespür und das merken die Künstler dann. So bin ich zu jedem Popstar mit dem Verständnis eines Musikers gegangen. Nicht wie ein Journalist und nicht von außen. Ich war auch nie objektiv und habe kaum Filme über Bands gemacht, die mit nicht gefallen haben. Auch wenn wir uns zu Beginn mal über die Volksmusikszene oder Schlager lustig gemacht haben. Dann arbeitest du das erste Mal mit Peter Alexander oder Udo Jürgens zusammen und merkst, was für Profis das sind. Dann ist das vielleicht nicht die Musik, die ich nicht höre, aber die Professionalität und die Staying-Power ist stark. Freddie Mercury hat immer gesagt „Einmal Nummer eins ist einfach. Oben bleiben ist die Schwierigkeit!“.

B K: Ist die Arbeit, wie Du sie machst, heutzutage mit allen technischen Möglichkeiten, einfacher?

R D: (überlegt) Ich würde nicht sagen leichter. Gut finde ich, dass sich das Musikvideomachen demokratisiert hat. Ich habe letztens alte Unterlagen ausgegraben, wo ich für den Konzertdreh zur „Jaja“-Tour von Marius Müller-Westernhagen das Budget gefunden habe. Was damals das Catering gekostet hat, ist heute das ganze Budget für einen Live-Mitschnitt mit 20 Kameras. So hat sich das Ganze verändert. Wenn du es beherrscht, kannst du heute mit Handys oder Fotoapparaten, die HD-tauglich sind, Videos machen, die dem in nichts nachstehen. Früher wurde eben auf 35-mm-Film gedreht, da war die Überspielung und Entwicklung teuer. Ich beneide die jungen Menschen um die heutigen Möglichkeiten, aber nicht darum, dass heutzutage so wahnsinnig viele Videos auf dem Markt sind. Als es früher noch MTV gab und ich VIVA gegründet habe, war ein Song mit einem Video in der Heavy Rotation ziemlich sicher ein Chartstürmer. Das waren aber nur 5 oder 6 Videos in der Woche, die das geschafft haben. Heutzutage hat man Social Media und ein irrsinniges Angebot an Verbreitungskanälen, dass man erstmal finden muss, was einen begeistert.

B K: Also mehr Verbreitungsmöglichkeiten, aber man geht auch leichter unter dem großen Angebot unter?

R D: Genau.

© Rudi Dolezal

B K: Haben sich Falco und Freddie Mercury eigentlich jemals getroffen bzw. Kontakt gehabt?

R D: Nein. Im Buch beschreibe ich allerdings eine Geschichte, bei der mich Freddie von Zeit zu Zeit in sein Haus eingeladen hat und immer wollte, dass ich ihm Sachen vorspiele, die nichts mit Queen zu tun haben. U.a. habe ich ihm auch „Rock Me Amadeus“ vorgespielt, was ihm sehr gut gefallen hat. Er hat das Video und den Song sehr gelobt. Im Video gibt es eine Szene, die nur ca. 4 Sekunden dauert, bei der ein Kardinal neben einer hübschen Dame sitzt. Freddie meinte er hätte diese Rolle gerne im Video als „Cameo Appearance“ gespielt. Leider halt erst nachdem das Video schon gedreht war. Ich habe es Falco später erzählt und er meinte: „Mein Gott, das wäre was gewesen!“. (lacht)

B K: Mit beiden hat Dich die Freundschaft bis zum Tod verbunden. Und auch viele andere Rockstars, mit denen Du gearbeitet hast, weilen schon nicht mehr unter uns. Wirst Du manchmal nachdenklich, wenn Du Tod eines Künstlers erfährst?

R D: Ich habe das Gefühl dieses und letztes Jahr sind wahnsinnig viele Leute gestorben. Musiker wie John Mayall, Chris Rea, mit dem ich gearbeitet habe, oder Sly & Robbie, die Reggae-Pioniere. Natürlich bedrückt mich das. Auf Social Media mache ich ein Posting und schreibe „Rest in Peace“, auch wenn man vorher weiß, dass ihr Ende im Leben mittlerweile näher ist als der Anfang. Selbst wenn man heute sagt „80 ist das neue 60“. Ich bemühe mich ja selber ein fitter Oldie zu sein. Aber natürlich berührt mich das. (überlegt) Auch Frank Zappas Tod hat mich berührt, Whitney Houston, Tina Turner…

 

B K: Ich wollte Dich um Deine Meinung zu zwei Filmbiografien befragen. Die erste wäre zum Film „Falco – Verdammt, wir leben noch!“ (U.a. auch mit Christian Tramitz) und natürlich zum Queen-Biopic „Bohemian Rhapsody“.

R D: Ich kenne den Regisseur von „Verdammt, wir leben noch!“ Thomas Roth sehr gut. Und ich spreche eigentlich nicht schlecht über die Regiearbeit von Kollegen. (überlegt) Da es ja bei vielen Biopics heißt „…auf Grundlage der Biografie von…“, habe ich mit meinem Buch „Falco – Hoch wie nie“, das 1998 erschienen ist, quasi die Grundlage selber geschrieben. Das hätte eigentlich ein Film sein sollen, bei dem die Bavaria Film schon zugesagt hatte, Falcos Mutter einverstanden war, Bolland & Bolland (bekanntes Produzenten-Duo; u.a. „Rock Me Amadeus“) sich für die Filmmusik bereit erklärt hatten und auch BMG den Soundtrack veröffentlich hätte. Die Filmförderung stand auch schon fest. Es gab dann an oberster Stelle des ORF einen Positionswechsel. Die österreichische Filmförderung ist so strukturiert, dass die Hälfte davon immer der ORF zahlt und entsprechend zustimmen muss. Deren Generalintendanz hat es dann abgesetzt, weil die zuständige Dame Vorbehalte gegen mich hatte. So entstand daraufhin die Idee, dass jemand anderes den Film macht. Ich vergönne es aber Thomas Roth absolut! Mein damaliger Partner war etwas diplomatischer eingestellt, aber ich empfand den Hauptdarsteller als nicht gut und bin auch der Meinung, dass Falco selber nach 20 Minuten aufgestanden und gegangen wäre. Tut mir leid.

B K: Die Kritiken fielen ja auch eher verhalten aus.

R D: Dabei musst ich ihnen ja die Rechte geben, weil im Film ja meine Musikvideos nachgedreht wurden und ich auch das geistige Copyright hatte. Da habe ich auch nachgegeben, damit es nicht heißt ich würde mich querstellen, nur weil ich den Film nicht selber produziere.

B K: Wie hat Dir der Freddie Mercury-Film „Bohemian Rhapsody“ gefallen, der 2018 erschienen ist?

R D: Ich bin immer noch mit Brian May, Roger Taylor und deren Manager Jim Beach befreundet und wurde von ihnen zur Weltpremiere nach London eingeladen. Von mir gab es ja schon die Doku „Freddie Mercury: The Untold Story“, die mit einem Grammy ausgezeichnet wurde. Beim Treffen mit Jim hatte ich die Idee, zu dem Film eine Doppel-Blu-ray herauszubringen. Auf der einen den Film „Bohemian Rhapsody“, auf der anderen die Doku. Jim meinte dann nur „Tut mir leid, das geht nicht.“. Ich darauf „Wieso geht das nicht? Ich habe die Rechte und du hast die Rechte.“ Er: „Das geht nicht. In deinem Film stimmt ja alles.“ (lacht) Es sind viele Dinge in „Bohemian Rhapsody“ falsch. Das wurde aber bewusst gemacht und ist ihnen nicht passiert. Das sind u.a. so Kleinigkeiten, wie die Geschichte der Erfindung des Spitznamens „Jim Miami Beach“ von Manager Jim Beach. Das war nämlich Freddies Idee, der meinte auf dem Live-Album „Live Magic“ von 1986, muss jeder unbedingt einen Spitznamen haben. So war dort z.B. der Tourmanager Gerry Stickles als „Gerry Grumpy Stickles“ und Dolezal/Rossacher als die „Torpedo Twins“ und eben „Jim Miami Beach“ angegeben. Im Film wird es anders erzählt. Was mich aber am meisten gestört hat ist, dass Freddie nie vorhatte Queen zu verlassen. Zu sagen „Live Aid“ hätte sie wieder zusammengebracht ist eine absolut falsche Aussage. Ich habe Interviews mit Freddie gemacht, wo er sagte „Who kills the goose, who lays the golden eggs!“. Sowohl Brian May als auch Roger Taylor hatten zu dem Zeitpunkt schon Solo-Alben gemacht und sind auch immer bei Queen geblieben. Freddie hat dann mit dem Solo-Album „Mr. Bad Guy“ einen guten Deal mit einer anderen Plattenfirma gemacht, aber nie vor Queen zu verlassen. Sehr gut finde ich, dass sie viele Dinge wirklich detailgetreu nachgestellt haben. Das war eine großartige akribische Arbeit vom Team.

B K: Bleibt eigentlich die Frage, wann DEIN Leben verfilmt wird?

R D: (überlegt) Naja, von allem, was ich seit 1975 gefilmt habe, gibt es ca. 40.000 Stunden Filmmaterial. An vielem habe ich die Rechte an manchem nicht, aber das könnte man klären. Das neue Falco-Buch hat mich jetzt viel Kraft gekostet, weswegen ich jetzt nicht sofort ein neues Buch machen kann. Auch wenn ich in zwei Jahren einen runden Geburtstag habe. Und ob dieses dann verfilmt werden würde… (lacht) Das müsste man erst mal jemanden finden, der sich das traut. Die Frau des berühmten Filmkritikers Roger Ebert hat mal zu mir gesagt: „Die Geschichte Deines Lebens ist eigentlich ein Musical, wo die ganzen Hits enthalten sind, an denen du beteiligt warst.“

© Rudi Dolezal

  

B K: Gibt es Material, dass Du nie veröffentlichen würdest?

R D: Es gibt Material, bei dem ich geschockt war, als es passiert ist. Eines davon hat mit Falco zu tun und ich beschreibe das auch im Buch. Beim Video zum Song „Charisma Kommando“ ist Hans leider trotz Vorkehrungsmaßnahmen so betrunken am Set erschienen, dass er beim dritten Take umgefallen ist. An den Kameras hatte ich damals auch immer kleine High 8-Kamera montiert, damit wir Making Of-Material vor und nach den Takes aufnehmen konnten. Als er nach dem Umfallen auf die Kameras zugekrochen ist und das ganze Team auf das übelste beschimpft hat, habe ich sofort das Tape aus der Kamera genommen. Das liegt bis heute in meinem Safe und ich habe es mir auch nie wieder angeschaut. Etwas ähnliches ist mir mit einem österreichischen Musiker, der ein guter Freund von Falco war, aber in Deutschland relativ unbekannt ist, passiert. Hansi Lang war drogensüchtig und hat mir bei einem Dreh in meinem Haus das Waschbecken runtergerissen.

B K: Bei allen Geschichten, die Du erzählen kannst, würdest Du den Spruch „Wer sich an die 80er erinnern kann, der war nicht dabei“ unterschreiben?

R D: (lacht) Nein, weil ich mich an ziemlich viel aus den 80ern erinnern kann. Und ich war auch dabei. Natürlich gibt es auch bei mir sogenannte „Black Holes“, bei dem ich Details vielleicht nicht mehr weiß. Der Spruch spielt natürlich auf den Drogen- und Alkoholkonsum an. Ich habe die späten 70er, 80er, 90er und 0er Jahre erlebt und kann mich an erstaunlich viel erinnern.

B K: Du bist quasi der Gegenbeweis zu diesem Klischee. Verrätst Du uns noch etwas aus Deinem Buch?

R D: (überlegt) Ich hatte am 5. Februar 1998 meinen 40. Geburtstag. Mein Team hatte damals die Idee gehabt, Musiker zusammenzubringen, für die ich Videos und Dokus gedreht hatte. Die sollten in einer Art kleinen Superstar-Band in einem kleinen Club am Stadtrand von Wien auftreten. Völlig unvorhergesehen haben meine Freunde von Queen gesagt, sie kommen extra nach Wien und spielen ein kleines Konzert in dem kleinen Club. Der Bassist von Queen, John Deacon, hat von Anfang an gesagt er kommt nicht mit. Falco war ausgebildeter Bassist. Also habe ich ihn angerufen und gefragt „Hans magst du nicht mit Queen Bass spielen? Peter Maffay, Campino, Nina Hagen und Ambros kommen auch.“ Nachdem er zugesagt hatte, vergingen die Tage. Die letzten fünf Tage vor meinem Geburtstag habe ich ihn telefonisch nicht mehr in der Dominikanischen Republik erreicht. Was ich nicht wusste: Er war clean und hatte sich im Ort Cabarete in eine junge Frau verliebt. Er ist sogar extra dorthin gezogen, weil es für ihn eine große Liebe war. Es war Falcos Pech, dass ihr Vater Bürgermeister von Cabarete war und bei einem Essen meinte: „Ein Popstar kommt mir nicht ins Haus!“. Denn die sind natürlich alle Alkoholiker und drogensüchtig. Sie hat daraufhin die Beziehung beendet, woraufhin er in eine tiefe Depression gefallen ist. Diese war der Grund für seinen Rückfall und auch der Grund für den Unfall, bei dem er getötet worden ist. Er kam also nicht zu meinem Geburtstag. Am frühen Morgen, nach der Party sehe ich ein Fax in meinem Office. Das ist auch im Buch abgebildet. „Lieber Rudi, alles Gute! Wir sehen uns. Love & Peace“. Ich fand es nett, dass er mir wenigstens ein Fax geschrieben hat, wenn er schon nicht anruft oder kommt. Es war einer der schönsten Tage im Leben für mich. Eine Stunde nachdem ich mich hingelegt hatte, ruft meine Mutter an und sagt: „Im Radio haben sie gerade gesagt der Falco ist tot!“. Das letzte, was Hans Hölzl in seinem Leben gemacht hat, war das Fax an Rudi Dolezal zu schreiben, sich dann schon betrunken und drüber ins Auto zu setzen, sich vor eine Bar zu stellen, weiterzusaufen und dann mit dem Auto in einen Bus zu fahren.

B K: Dein Geburtstag und sein Todestag bleiben damit tragischerweise verbunden. Rudi ich danke Dir für Deine Zeit.

R D: Sehr gerne.

Falco ist auch Jahrzehnte nach seinem Tod keine abgeschlossene Musikgeschichte, sondern eine Figur, über die bis heute gesprochen, diskutiert und gerätselt wird. Genau dort setzt Rudi Dolezal mit seinem neuen Buch „FALCO – Die ganze Wahrheit“, das am 21. März erscheint an. Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums der Nummer 1 in den US-Billboard Charts des Falco-Hits „Rock Me Amadeus“ präsentiert Rudi Dolezal eine multimediale Leseshow mit unveröffentlichten Videos und Fotos. 

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