Interview mit Maxi Gstettenbauer

(Februar 2026)

In der neuen Comedy-Show "Bayern, des samma mia!" will Moderator und Comedian Maxi Gstettenbauer gemeinsam mit prominenten Gästen herausfinden, wie Bayern tickt. Fest zum Panel gehören Michael Altinger und Eva Karl Faltermeier, gemeinsam mit zwei immer wieder wechselnden Gästen nehmen sie den Freistaat und seine Menschen unter die Lupe – ihre Eigenheiten, Gewohnheiten und Traditionen. Immer schlagfertig, immer mit einem Augenzwinkern. 

Vier Folgen ab 6. März, immer freitags um 22.00 Uhr.

Foto: Guido Schroder

Bayerische Kultserien: Maxi, die neue Sendung heißt „Bayern, des samma mia!“. Wenn man Deine Auftritte und auch Deine Beiträge auf Social Media kennt, dann bringt man diesen Ausspruch eigentlich gar nicht so mit Dir in Verbindung. So „Mia san mia“ kommst Du nämlich gar nicht rüber.

Maxi Gstettenbauer: Ich glaube, es hat auch damit zu tun, dass ich mit 18 Jahren raus aus Bayern bin und auf der Bühne auch nicht den klassisch bayerischen Comedian gebe. Ich spreche da ja nicht wirklich im Dialekt. Deswegen kann ich das schon verstehen. Warum ich den Titel trotzdem gut finde und mich auch für die Sendung entschieden habe, war der Grund, dass bei dem Konzept der Show auch immer eine leichte Selbstironie dahinter steckt. Das hat mir einfach gut gefallen. Es gab z.B. die Frage „Wo beginnt der Weißwurscht-Äquator?“. Da wurden 100 Leute befragt und dann gibt es welche, die sagen „In Norddeutschland beginnt der schon bei Nürnberg“. Das finde ich halt sehr witzig, dass es Bayern gibt, die auch über sich selber lachen können. Das finde ich sehr gut, weshalb ich mich auch sehr gefreut habe, als ich dafür angefragt wurde.

B K: Es geht um „Eigenheiten, Gewohnheiten und Traditionen“. Ist das in Bayern nicht manchmal dasselbe?

M G: (überlegt) Ich finde eine „Gewohnheit“ ist noch mal etwas Persönlicheres. Zum Beispiel „ich trinke Hafermilch, statt Vollmilch“ oder das Isarsurfen. Das sind für mich Gewohnheiten. Wogegen „Tradition“ für mich schon eher etwas Gemeinschaftsbildendes, wie z.B. das Veranstalten von diversen Volksfesten ist. Das ist eher etwas, dass von außen kommt. Bei „Eigenheiten“ finde ich, ist das Merkmal eher der Unterschied. Wo man also sagen könnte, da „unterschiedet“ sich der Bayern von anderen. Das ist eigen und dann nur bei ihm. Das bayrische Selbstbewusstsein ist z.B. eine Eigenheit.

Bild: BR/Martina Bogdahn

B K: Vielleicht vermischen einige das aber auch und interpretieren ihre Eigenheit als Tradition.

M G: (lacht) Das ist natürlich möglich.

B K: Gibt es für Dich bei „Bayern, des samma mia!“ auch so richtige Aha-Momente, die Du vorher nicht gewusst hast?

M G: Ja klar. Ich bin zwar hier in Bayern, in Schwarzach aufgewachsen, aber es gibt wirklich Fragen, wo auch „Bayern-Experten“, also nicht nur Leute, die hier leben, sondern auch viel über die Geschichte von Bayern wissen, passen mussten. Ich wusste z.B. auch nicht, dass es in der Stadt Amberg ein „Eh`häusl“ gab. Damals durfte man nur heiraten, wenn man eine Immobilie bzw. ein Haus hatte. Dann hat ein schlauer Kaufmann einfach in eine Lücke ein kleines „Eh`häusl“ gebaut und dann an Paare verkauft. Die konnten dann heiraten und danach haben es einfach die nächsten gekauft, die heiraten wollten. (grinst) So etwas zu erfahren find ich schon cool.

B K: Wussten Deine Show-Kollegen auch vieles nicht?

M G: Die waren auch oft überrascht. Es gab ja auch völlig unbeantwortbare Fragen, wo wir zum Beispiel 100 Leute gefragt haben „Was ist der Lieblingssee der Bayern?“.

B K: Da ich an einem aufgewachsen bin, wüsste ich zumindest meinen.

M G: Und der wäre?

B K: Der Starnberger See.

M G: War aber nicht auf Platz eins. Das war nämlich der Chiemsee.

B K: Ach dann doch der touristischste von allen?

M G: (grinst) Ja, genau. Das ist bei der Sendung auch immer so eine Frage: Antwortet man aus der Außenperspektive von Bayern, oder aus der Innenperspektive. Denn es ist interessant, dass sich der echte Bayer auch immer so vom typischen Klischee verabschieden will. „Joa moment. IHR moants das mia so san. Eigentlich samma nämich a so…, aber des wissen grod nua de echtn Bayern.“ (lacht) Das ist immer so ein spannender Tanz, dass der Bayer auf der einen Seite stolz auf seine Identität ist, aber gleichzeitig davon auch manchmal Abstand möchte.

Bild: BR/Martina Bogdahn

B K: Sich nichts diktieren lassen.

M G: Genau. Da möchte man sich von außen nichts überstülpen lassen.

B K: Du hast vorhin schon erwähnt, dass Du als sehr junger Mann von Bayern nach Köln gegangen bist. Warum?

M G: Weil ich mir nichts überstülpen lassen wollte. (grinst) Mich hat es schon immer auf die Bühne gezogen und die Art von Stand Up Comedy, die ich geil fand, war die amerikanische. Das ist jetzt mittlerweile 20 Jahre her und in Bayern gab es das Kabarett, bei dem viel mit Verkleidung gearbeitet wurde. Das war beispielsweise auch der großartige Gerhard Polt, der immer mit verschiedenen Figuren agiert hat. Aber in der amerikanischen Stand Up Comedy, in der man nicht verkleidet auf die Bühne geht und über das, was im eigenen Leben los ist, redet und keine Figur spielt, das gab es zu der Zeit nur in Köln. Deswegen bin ich dort hin. (überlegt) Ich sag mal so: hätte es vor 20 Jahren schon die „Open Mic“-Szene, wie es jetzt z.B. das „Lucky Punch“ im Gasteig München macht, gegeben hätte, ich wüsste nicht, ob ich dann nach Köln gegangen wäre.

B K: Dann hat Dich wirklich der Drang auf die Bühne nach Köln geführt?

M G: Es war leichter. Du musstest in München ein 90 Minuten Soloprogramm haben und es war auch nicht so leicht in ein Etablissement wie z.B. die Lach- und Schießgesellschaft reinzukommen. Mein Humor ist jetzt auch nicht der eines klassischen Kabarettisten. In Köln habe ich zudem auch sofort einen Job beim Spiele-Sender GIGA bekommen. Das heißt, ich habe so auch gleich ein bisschen Geld verdient. Manchmal muss man einfach die Möglichkeiten nehmen, die sich einem bieten.

B K: Du hast da also bei einem Gaming TV als Moderator gearbeitet. Warst Du denn auch so ein „Gaming-Nerd“?

M G: Ja, auf jeden Fall. Ich habe auch schon mit 16 Jahren im Internet Videospiele kommentiert. Etwas, dass die Kids heute auf Twitch machen. Ich war der Gerd Rubenbauer für „Warcraft“. (lacht)

B K: Ist Gaming dann jetzt auch noch ein bisschen in Deinem Interessenbereich? „Zockst“ Du noch selber ab und zu?

M G: Doch schon. Ich halte z.B. dieses Jahr z.B. wieder eine Laudatio beim deutschen Computerspielpreis und bin da dabei. Oder ich trete bei Youtubern auf, die Gaming betreiben. Und natürlich spiel ich auch mal selber. Da nutze ich dann meinen Promistatur schamlos aus und lasse mir die Spiele bringen. (lacht) Ein bisschen asozial auch, aber es macht halt Spaß und ich kenn mich da noch aus. (lacht)

B K: Und trotzdem war das nur ein Übergang zum Weg auf die Bühne.

M G: Ja, würde ich so sagen. Ich wollte immer Stand Up machen. Das war mein Ding.

B K: Wann hast Du gemerkt, dass es Dich auf die Bühne zieht?

M G: Schon in der Schule in der Theatergruppe. Da habe ich auch immer die Rolle bekommen, die den Lacher und die Pointen hatte. Das fand ich damals schon super.

B K: Dann warst Du auch der typische Klassenclown?

M G: Ein Stück weit schon. Zuhause war ich zwar immer etwas zurückgezogen, aber ich hab auf jeden Fall auch die extrovertierte Seite.

B K: Du würdest Deine Auftritte auch wirklich als reines „Stand Up“ bezeichnen und nicht als Kabarett?

M G: (überlegt) Kabarett hat halt wirklich eine bestimmte Geschichte. Da gibt es viele Kollegen, die das mit der Muttermilch aufgesaugt haben. Ich sehe mich schon eher in der Stand Up Tradition. Das kann bei mir schon politisch werden, aber es gibt bei mir jetzt z.B. keine ellenlangen Monologe über das Sozialwesen. Ich mache hin und wieder satirische Beiträge in bestimmten Sendungen, wie in „Die Anstalt“ oder in Christine Eixenbergers „Nachsitzen“, aber ich mache schon auch Sachen, die ich allgemein witzig finde.

B K: Gibt es Leute in dem Bereich, die Du selbst sehr gern magst?

M G: (überlegt) Ich habe schon ein Herz für Michael Mittermeier. Ich habe von ihm die Alben gehört, damals „Zapped“ in und auswendig gelernt und bin meinen Mitschülern damit auf den Sack gegangen, weil ich die Geschichten im Schulbus erzählt habe. Dass ich ihn jetzt selbst persönlich kennengelernt habe und mit ihm in Sendungen auftrete, dass ist schon geil.

Bild: BR/Martina Bogdahn

B K: Und die Ideen für Deine Programme bekommst Du durch das klassische Beobachten der Leute um Dich herum?

M G: Ja, genau. Es ist einfach dieses dritte Auge, dass man hat. Ich habe zum Beispiel gestern in Pforzheim gespielt und bin heute hierher gefahren. Ich war dann an einer Raststätte. Und wenn ich etwas überhaupt nicht haben kann, dann ist es diese Situation: Da stehen drei Mitarbeiter, ich bin der einzige Gast und die unterhalten sich über Gott und die Welt, während ich dort über eine Minute stehe. Jetzt kann man natürlich behaupten ich wäre pingelig, aber ich denke mir: Entweder ihr heilt gerade Krebs, oder ich bekomme jetzt meinen Kaffee. Für alles andere habe ich keine Toleranz (lacht) Und das ist dann schonmal der Anfang, einer Sache, die ich erlebt habe. Nach diesem Mechanismus bekomme ich dann etwas für die Bühne zusammengebaut.

B K: Waren Deine Anfänge auf der Bühne schwer?

M G: Oh ja. Ich war kein gewolltes Kind in der Comedy-Szene. (lacht) Ich musste mich aus der Gebärmutter rauskämpfen. Es fing damit an, dass mich in Köln keiner auftreten lassen wollte. Bei den offenen Bühnen ja, aber bei den größeren, wo man etwas Geld hätte verdienen können, hat es schon lange gedauert. Ich habe dann bei mir um die Ecke am Kiosk eine Comedy-Bühne gemacht. Das hieß dann jeden Donnerstag „Gstettenbauers Comedy Corner“ und ich habe es vielleicht 4- oder 5-mal gemacht, weil es einfach zu grausam war. (lacht) Aber das waren eben die Anfänge, die mir in entscheidenden Momenten einfach geholfen haben, einen gewissen Biss zu entwickeln. Bei meinem ersten Auftritt bei Stefan Raab, wo ich schon ziemlich Puls hatte, hat mir dieses bayerische „Ah ja, werd scho irgendwie.“ geholfen. Und dann macht man es einfach.

B K: Stimmt es, dass Du mal Robin Williams begegnet bist?

M G: Ja, das stimmt. Ich habe ja vorhin erzählt, dass ich am Anfang schwer Auftritte bekommen habe. Weil ich zu Beginn auch scheiße war. (lacht) Ich bin dann in die englische Szene gegangen, weil mein Englisch ganz gut ist und es in Köln und Bonn eine englischsprachige Comedyszene gab. Es gab da einen Comedian namens Andy Valvur, der ein richtig erfahrener Stand Up Comedian ist und im Vorstand vom Comedy Day in San Francisco war. Andy und ich kennen uns und sind Freunde. Der Comedy Day wiederum ist eine Benefiz-Veranstaltung, wo jedes Jahr auch Robin Williams als großer Headliner aufgetreten ist. Und ich war zwei Mal dabei und habe mich auch mit ihm unterhalten.

 

Maxi und Robin Williams (Facebook)

B K: Robin Williams, der jahrelang unter schweren Depressionen und Angstzuständen litt, ist gleich eine Überleitung für ein Thema, zu dem Du auch schon zwei Bücher geschrieben hast: Depressionen. Warum ist es immer noch ungewöhnlich, wenn bekannte Leute wie Du, über diese Erkrankung offen sprechen?

M G: (überlegt) Ich finde, es ist schon ein bisschen normaler geworden. Ich glaube für öffentliche Personen und für Künstler ist es vielleicht einfacher. Nehmen wir mal an, du bist ein Manager auf mittlerer Ebene, willst aufsteigen, eine höhere Position ist für dich im Gespräch und du merkst aber, du hast dieses Thema. Das anzusprechen hätte einfach massive Nachteile. Du wirst nicht mehr als leistungsfähig wahrgenommen und du bekommst z.B. auch Stress mit der Versicherung. Stell dir z.B. auch vor, du möchtest Polizist werden und es steht in deiner Akte irgendwas von Psychotherapie. Dann ist das auch nicht möglich. Es ist vielleicht besser geworden, aber das Risiko ist schon noch da. Das ist nicht vergleichbar mit einer Burnout-Diagnose, bei der man das einer Menge an Arbeit zuschreiben kann. Depressionen sind immer noch eine wenig greifbare Sache für viele Leute. Für uns Künstler darüber zu reden ist eventuell deshalb leichter, weil wir nicht gleich so abgestraft werden, dafür.

B K: Besteht die Gefahr, dass in der aktuellen Gesellschaft, wo man gezielt zu noch mehr Leistungsbereitschaft appelliert, die Leute sich noch weniger trauen so etwas therapieren zu lassen?

M G: (überlegt) Ich glaube, es hat damit zu tun, wie sicher man sich fühlt. Wenn man nur auf seine Leistung reduziert wird, dann ist das natürlich nicht wirklich ein Sicherheitsgefühl. Wenn es nur darauf ankommt etwas zeitlich und mengenmäßig zu schaffen, dann kann ich mir schon vorstellen, dass das Klima dafür weniger offen ist.

 

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B K: Maxi, Du kommst ja aus Niederbayern…

M G: (nickt) Jawoll!

B K: …aus Schwarzach. Warum ist immer wieder festzustellen, dass so viele Comedians und Kabarettisten aus Niederbayern kommen?

M G: Weil man eine niederbayerische Kindheit nur mit Humor übersteht. (lacht) Du hast recht, es kommen wirklich viele daher. (überlegt) Eine Mentalitätsfrage kann ich hier gar nicht beantworten, ich weiß nur, dass meine Eltern auch sehr witzig sind. (lacht) Meine Mutter ist eher die mit der lustigen Körpersprache und mein Papa ist eher der Zyniker. (überlegt weiter) Aber irgendwas scheint da ähnlich zu sein, wie im Rheinland. Da kommen die meisten Komiker ja auch aus dem Ruhrpott.

B K: Du arbeitest bei „Bayern, des samma mia!“ wieder mit anderen Kollegen zusammen und warst auch schon öfter im Ensemble zu sehen. Gibt es jemand, mit dem Du noch gerne mal zusammenarbeiten würdest?

M G: (überlegt) Bully Herbig finde ich sehr interessant. Da geht es nicht um Zusammenarbeit, aber ich würde mich gerne mal mit ihm unterhalten, weil er einfach Comedy auf einem sehr großen und erfolgreichen Niveau gemacht hat. Da rede ich jetzt primär von der „Bullyparade“. Die Filme sind nochmal was ganz Eigenes, aber die Bullyparade war einfach fucking funny.

B K: Ich habe auch an Dich die letzte Frage: Gibt es eine bayerische Lieblingsserie für Dich?

M G: „Monaco Franze“. Aus. Diskussion beendet. (lacht und überlegt kurz) Und „Pumuckl“. (lacht)

B K: Vielen Dank Maxi!

M G: Gerne, hat mich gefreut.

 
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